Domestic Paintings, 2020
Ausstellungsansicht im PEAC Museum Freiburg / installation view at PEAC Museum Freiburg, Germany
Foto: © Bernhard Strauss


Domestic Painting (Odol-med3 Extra White), 2020
Inkjetprint auf Fotopapier / inkjet print on photo paper, 84,1 x 59,4 cm



Domestic Painting (Zitronenfrische), 2020
Inkjetprint auf Fotopapier / inkjet print on photo paper, 84,1 x 59,4 cm



Domestic Painting (Fuchsia Complete Care), 2020
Inkjetprint auf Fotopapier / inkjet print on photo paper, 50 x 40 cm



Domestic Painting (todaydent), 2020
Inkjetprint auf Fotopapier / inkjet print on photo paper, 84,1 x 59,4 cm



Domestic Painting (Purple Haze), 2020
Inkjetprint auf Fotopapier / inkjet print on photo paper, 50 x 40 cm


Zu den Werken von Julia Gruner in der Ausstellung „Nearby – Wie Bilder zeigen!“
(25.10.20 – 22.08.21) im PEAC Museum, Freiburg


Von Eveline Weber M.A.

Die beiden Arbeiten „Domestic Paintings“ von Julia Gruner entstanden unmittelbar während der Corona-Pandemie und des ersten Lockdowns im April 2020. Abgeschnitten von der Welt aber auch vom eigenen Atelier und den sonst dem Arbeitsprozess hinzugezogenen Malmitteln, bedeckte sie die Belichtungsfläche eines Farbscanners mit Folie und trug unterschiedlichste Flüssigkeiten und Pasten auf, die allesamt im eigenen Haushalt zur Verfügung standen: Zum Zuge kamen beispielsweise Nagellack, Honig, Zahnpasta, Putzmittel oder Speiseöl. So unterschiedlich die ursprünglich alltägliche, häusliche Verwendung dieser nun zum Malmittel erkorenen Stoffe ist, so sehr unterscheiden sie sich auch in Farbigkeit, Konsistenz und Materialeigenschaften. Wir erkennen dickflüssige, deckende Pasten, genauso wie breiige, dünnflüssig oder transparente Flüssigkeiten. Je nach Reihenfolge des Auftrags, aber auch je nach Dichte und osmotischem Verhalten, wie stark ein Stoff den anderen verdrängt oder aber sie sich gegenseitig durchdringen und vermischen, sehen wir die ein oder andere Flüssigkeit deutlich als Form – oder aber ein sich Durchmengen und ein fein verzweigtes Ineinanderfließen von Farbe, bisweilen selbst Luftblasen auf dem so per Tastendruck entstandenen Bild. Materialeigenschaften wie Lichtdurchlässigkeit prägen sich zudem in der (Un)Sichtbarkeit anderer Materialschichten aus. Und bildgebend wird nicht zuletzt der eigentliche unsichtbare Bildträger, die Folie auf der Glasscheibe des Scanners, die ein Netz aus Falten ausbildet.